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Im Sommer 1982 begann im Nahen Osten eine Ruchlosigkeit, die die
ganze Welt in Aufruhr versetzte. Die israelische Armee startete
einen Überraschungsangriff gegen den Norden Libanons, und vernichtete
alles, was ihr bei diesem Einmarsch im Weg war. Sie umzingelten
die Lager der Palästinenser, die wegen der israelischen Besetzung
aus ihrer Heimat geflüchtet waren, und bedienten sich libanesisch-"christlicher"
Milizen um einen Massenmord an diesen unschuldigen Zivilisten auszuüben.
Innerhalb weniger Tage wurden tausende unschuldiger Menschen massakriert.
Dieser Terrorakt Israels stieß weltweit auf Ablehnung und Empörung.
Auch Juden, selbst israelische Juden schlossen sich dem Protest
an. Benjamin Cohen, Professor an der Universität von Tel Aviv veröffentlichte
am 8. Juni 1982 folgende Zeilen:
Während ich dies hier schreibe,
höre ich im Radio, wie der Sprecher sagt, dass „wir auf dem Weg
sind, unsere Ziele im Libanon zu erreichen" und die Ziele seien,
"die Sicherheit der Menschen in Celile (im Norden Israels)
zu gewährleisten". Diese Lüge unterscheidet sich nicht im geringsten
von Göbbels (Hitlers Propaganda Minister) damaligen Lügen, und macht
mich rasend vor Wut. Es ist offensichtlich, dass dies ein barbarischer
Angriffskrieg ist. Dieser Krieg ist sehr viel barbarischer als die
vorherigen, und hat nichts mit den Bemühungen um die Sicherheit
der in Celile lebenden Menschen zu tun. Diese Juden... Diese jüdischen
Söhne Abrahams... die in ihrer Vergangenheit selbst viel Unterdrückung
und Ungerechtigkeit durchgemacht haben, wie können diese Menschen
jetzt so grausam sein? Die größte Errungenschaft des Zionismus war
es wohl, die Juden ihrer Religion, dem "Judentum" zu entfremden.
[1]
Benjamin Cohen war nicht der einzige Israeli, der sich gegen die
israelische Besetzung Libanons aussprach. Sehr viele der in Israel
lebenden jüdischen Gelehrten verurteilten die Taten ihres eigenen
Landes.
Diese ablehnende Einstellung war nicht nur auf die Besetzung Libanons
begrenzt. Israels Unterdrückung der Palästinenser, die bedingungslose
und ständige Besatzungspolitik, und Israels Beziehungen zu faschistischen
Regierungen, die dem damaligen rassistischen Apartheid Regime Südafrikas
ähnelten, wurden von sehr vielen jüdischen Gelehrten jahrelang abgelehnt
und verurteilt. Im Grunde war die Ablehnung dieser Juden nicht nur
an die israelische Politik gerichtet, sondern gleichzeitig an den
Zionismus, der die offizielle israelische Ideologie verkörperte.
Diese Tatsache beinhaltet eine sehr wichtige Aussage: Der Ursprung
für die seit 1967 andauernde israelische Besatzungspolitik und ihren
Staatsterrorismus ist die zionistische Ideologie. Viele Juden auf
der ganzen Welt sind gegen diesen Zionismus.
Folglich sollte ein Muslim nicht das Judentum oder das jüdische
Volk, sondern die zionistische Bewegung verurteilen. Genauso, wie
man keine Feindseligkeiten gegenüber dem deutschen Volk schüren
sollte, nur weil man gegen Nazis ist, sollte man keine Feindseligkeiten
gegenüber dem jüdischen Volk haben, wenn man gegen die zionistische
Bewegung ist.
Die Wurzeln des Rassistischen Zionismus
Nachdem die Juden 70 n.Chr. aus Jerusalem vertrieben worden waren,
verteilten Sie sich auf der ganzen Welt, in den verschiedensten
Ländern. Während dieser bis zum 19. Jahrhundert andauernden Zeit
des Exils betrachtete sich die überwältigende Mehrheit der Juden
ausschließlich als eine religiöse Gruppe. Die meisten Juden lernten
die Sprachen der Länder in denen sie lebten und Hebräisch war nur
noch eine heilige Sprache, die man zum Beten und bei Gottesdiensten
benutzte. Deutsche Juden sprachen deutsch, englische Juden sprachen
englisch. Als im 19. Jahrhundert die sozialen Beschränkungen gegenüber
den in Europäischen Ländern lebenden Juden aufgehoben wurden, integrierten
sie sich in die Bevölkerung der Länder, in denen sie lebten. Ende
des 19. Jahrhunderts sahen sich die meisten Juden nicht mehr als
ein Volk oder als eine Rasse, sondern als eine Glaubensgemeinschaft.
Sie bezeichneten sich als "mosaische (jüdische) Deutsche" "mosaische
Engländer" oder "mosaische Amerikaner".
Im 19. Jahrhundert erlebte der Rassismus jedoch eine Renaissance.
Vor allem durch den Einfluss der von Charles Darwin propagierten
Evolutionstheorie breiteten sich rassistische Gedanken lawinenartig
aus und fanden in der westlichen Gesellschaft viele Anhänger. Unter
dem Einfluss des Rassismus und eines neu erwachenden Nationalismus
gewann der Zionismus Einfluss auf das jüdische Volk.
Die jüdischen ideologischen Vorreiter der zionistischen Bewegung
waren sehr glaubensschwache Menschen. Viele von ihnen waren Atheisten.
Sie definierten ihr Judentum nicht als Glaubensgemeinschaft, sondern
als eigenständige Rasse. Sie behaupteten, dass Juden eine andere
Rasse seien, als Europäer, dass es für sie unmöglich sei, mit Europäern
ihnen weiterhin zusammen zu leben, und dass sie demzufolge ein eigenständiges
Territorium, eine eigene Heimat besitzen müssten. Als die Entscheidung
fiel, wo nun diese Heimat gegründet werden sollte, verfolgten Sie
dieses Ziel nicht mit dem Gedanken an ihren Glauben. Der Gründer
der zionistischen Bewegung, Theodor Herzl, dachte zeitweise an Uganda.
Dieser Gedanke wurde als der „Uganda Plan" bekannt. Später entschieden
sich die Zionisten für Palästina. Der Grund dafür war nicht etwa
ein religiöser Hintergrund, sondern sie sahen in diesem Land das
Land ihrer Herkunft.
Die Zionisten scheuten keine Anstrengung um die Juden von dieser
antireligiösen Ideologie zu überzeugen. Die zionistische Weltbewegung
begann in jedem Land, in dem Juden lebten, eine breit angelegte
und intensive Propaganda, und versuchte, den dort lebenden Juden
mit allen Mitteln einzuhämmern, dass es für sie Aufgrund ihrer „auserwählten"
Rasse nicht möglich sei, mit den Europäern zusammen zu leben und
sie deshalb unbedingt nach Palästina auswandern sollten. Dieser
Aufruf der Zionisten fand bei den meisten Juden kein Echo.
Trotzdem verschaffte sich der Zionismus mit der Einstellung, dass
Juden nicht mit anderen Völkern der Welt zusammen leben sollten,
als rassistische Ideologie Einfluss auf die Weltpolitik. Dieser
Gedanke führte zunächst dazu, dass die in der „Diaspora" lebenden
Juden schwierige und drückende Zeiten durchlebten. Später brachte
Israels Besatzungs- und gewaltsame Annexionspolitik Millionen von
Muslimen im Nahen Osten Blutvergießen, Elend, Angst und Tod.
Heute kritisieren viele Juden weltweit diese
zionistische Ideologie. Einer der führenden jüdischen Geistlichen,
Rabbiner Hirsch sagte folgendes: „Der Zionismus möchte das jüdische
Volk als eine Nationalistische Entität definieren. Dies ist eine
Abweichung vom Glauben. [2]
Und der französisch muslimische Denker Roger Garaudy schreibt
folgendes darüber:
Der schlimmste Feind des prophetischen
jüdischen Glaubens ist die nationalistische, rassistische und kolonialistische
Logik eines von Stammesdenken getragenen Zionismus, der aus dem
im Europa des 19. Jahrhunderts geborenen Nationalismus, Rassismus
und Kolonialismus geboren worden ist. Diese Logik, die alle westlichen
Kolonialmächte antrieb und die die Ursache ist für all die Kriege
zwischen dem einen Nationalismus und dem anderen, ist eine selbstmörderische
Logik. Es wird keine Sicherheit, keine Zukunft geben für Israel,
und keinen Frieden im Nahen Osten, solange Israel nicht „entzionisiert"
wird und zum Glauben Abrahams zurückkehrt, der die gemeinsame geistige
und brüderliche Hinterlassenschaft der drei Offenbarungsreligionen
ist: Judentum, Christentum und Islam. [3]
Aus diesen Gründen muss man das Judentum vom Zionismus trennen.
Nicht jeder Jude ist ein Zionist. Tatsächlich sind die Zionisten
eine Minderheit in der jüdischen Welt. Außerdem gibt es viele Juden,
die sich gegen die zionistischen Verbrechen gegen die Menschlichkeit
richten, und verlangen, dass sich Israel sofort aus allen besetzten
Gebieten zurückzieht. Sie wollen keinen rassistischen „Judenstaat"
sondern ein freies Israel, in dem alle Rassen und Gemeinschaften
gleichberechtigt leben können.
Die sich mit Recht gegen Israel und den Zionismus stellenden Muslime
sollten sich diese Tatsachen stets vor Augen halten. Sie müssen
wissen, das Problem sind nicht die Juden, sondern die Zionisten.
Anmerkungen
1 - "Professor Leibowitz nennt Israels
Politik im Libanon „Judeo Nazi", Yedioth Aharonoth, 2. Juli 1982
2 - "Der Zionismus will das jüdische Volk als
nationale Identität definieren ... eine Häresie", Washington Post,
3. Oktober 1978."
3 - Roger Garaudy, "Right to Reply:
Reply to the Media Lynching of Abbe Pierre and Roger Garaudy", Samizdat,
June 1996
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