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Gegenwärtig ist der Mittlere Osten wieder die Szene des Kampes
zwischen den Israelis und den Palästinensern. Radikale Elemente
beider Seiten setzen die brutalsten und grausamsten Mittel gegeneinander
ein. Das israelische Militär bombardiert brutal palästinensische
Wohnsiedlungen, schießt auf Kinder und setzt alles daran, Palästina
unbewohnbar zu machen. Palästinensische Radikale, auf der anderen
Seite, greifen zivile israelische Ziele an und verbreiten Gewalttätigkeit
mit ihren schrecklichen Selbstmordanschlägen, die sich gegen Frauen
und Kinder richten.
Unser aufrichtiges Anliegen als Muslime ist es, dass der Zorn und
Hass auf beiden Seiten abebben, das Blutvergießen zu einem Ende
kommen und und Frieden im Mittleren Osten erzielt werden möge. Wir
weisen beides, das israelischen Töten unschuldiger Palästinenser,
und die palästinensischen Anschlägen auf unschuldige Israelis total
zurück.
Unserer Auffassung nach ist die wichtigste Voraussetzung dafür,
dass dieser blinde Konflikt zu einem Ende kommen, und dass ein anhaltender
Frieden im Mittleren Osten erzielt werden kann, dass beide Seiten
zu einem wahren Verständnis ihres Glaubens und zu einer aufrichtigen
Realisierung desselben kommen. Der israelisch-palästinensische Konflikt
hat die Identität eines 'Religionskriegs' zwischen den Muslimen
und den Juden angenommen, wohingegen in Wirklichkeit absolut keinerlei
Gründe für solch einen Religionskrieg bestehen. Beide, die Juden
und die Muslime glauben an (den selben) Gott, lieben und verehren
die selben Propheten und bekennen sich zu den selben moralischen
Grundsätzen. Sie sind keine Feinde. Ganz im Gegenteil, sie sind
Verbündete in einer Welt, in der Atheismus und Abneigung gegen Religion
weitverbreitet sind.
Auf der Grundlage dieses fundamentalen Prinzips apellieren wir
an die Israelis (und alle Juden):
1. Muslime und Juden glauben an einen Gott, den Schöpfer
des Universums und aller Lebewesen. Wir sind alle Gottes Knechte,
und werden zu Ihm zurückkehren. Warum sollten wir uns also gegenseitig
hassen? Die Heiligen Schriften, an die wir glauben, sind zwar verschieden,
doch wir alle richten uns nach diesen Schriften, weil wir glauben,
dass sie göttliche Offenbarungen sind. Warum also sollten wir uns
gegenseitig bekämpfen?
2. Würden die Israelis eher unter Atheisten und Heiden leben
wollen, als unter Muslimen? Die Bibel ist voll von Berichten über
schreckliche Grausamkeiten, welche den Israeliten von Heiden zugefügt
wurden. Der furchtbare Völkermord und die Barbarei, welche die Juden
vonseiten der Atheisten und Ungläubigen (wie Nazis, antisemitische
Rassisten oder kommunistische Regimes wie im stalinistischen Russland)
ausgesetzt waren, liegen klar auf der Hand. Die betreffenden atheistischen
Mächte hassten die Juden, weil sie an Gott glaubten, und aus diesem
Grunde verfolgten und unterdrückten sie sie. Stehen die Juden und
die Muslime nicht auf der gleichen Seite gegenüber diesen atheistischen,
kommunistischen oder rassistischen Mächten, von denen sie beide
gehasst werden?
3. Muslime und Juden lieben und verehren die selben Propheten.
Die Propheten Abraham, Isaak, Joseph, Moses oder David sind für
die Muslime mindestens ebenso wichtig, wie für die Juden. Die Gegenden,
wo jene heiligen Männer lebten und Gott dienten sind den Muslimen
mindestens ebenso heilig, wie den Juden. Warum also sollte jene
Erde mit Blut und Tränen getränkt werden?
4. Die fundamentalen Werte der Israeliten sind uns Muslimen
ebenfalls heilig. Der Name 'Israel' ist der Name des Propheten Jakob,
der im Quran gepriesen wird und von den Muslimen in ehrwürdigem
Gedenken gehalten wird. Der Davidsstern wird auch von uns als das
geheiligte Insignium des Propheten David anerkannt. Entsprechend
dem Quran sind Synagogen Stätten der Anbetung, welche Muslime verpflichtet
sind, zu beschützen (Sure 22:40 - al-Hadsch). Warum also sollten
die Anhänger dieser beiden Religionen nicht in Frieden zusammenleben?
5. Die Torah (Die Fünf Bücher Moses; das Gesetz der Juden)
gebietet den Juden, Frieden und Sicherheit zu errichten, nicht andere
Länder zu besetzten und Blut zu vergießen. Das Volk Israel wird
als 'ein Licht für die Nationen' bezeichnet. Rabbi Dovid Weiß erklärte
folgendes:
Dem Volk Israel wurde von dem Allmächtigen
Gott geboten, in Frieden mit allen Völkern und Nationen auf dem
Angesicht der Erde zu leben. Unsere Tagesordnung ist sehr einfach:
In demütigem Gottesdienst dem Schöpfer zu allen Zeiten zu dienen.
Als die Juden der Torah sind wir dazu angehalten, Mitgefühl zu hegen
und unserem Sinn der Barmherzigkeit Ausdruck zu verleihen, wenn
irgend ein Mensch oder eine Gruppe von Menschen von Leiden betroffen
ist. [1]
Falls die Israelis fortfahren, die Palästinenser so zu behandeln,
wie sie das gegenwärtig tun, werden sie kaum in der Lage sein, dies
vor Gott zu verantworten. Andererseits werden jene Palästinenser,
die unschuldige Israelis töten kaum in der Lage sein, diese Morde
vor Gott zu verantworten. Ist es somit nicht eine Pflicht Gott gegenüber,
diesem Kämpfen Einhalt zu gebieten, das beide Seiten immer tiefer
in ein satanisches Syndrom der Gewalttätigkeit hineinzieht?
Wir fordern alle Juden dazu auf, diese Tatsachen zu bedenken. Gott
gebietet uns Muslimen, die Juden und die Christen zu einer 'gemeinsamen
Formel' einzuladen:
Sprich: 'Ihr Menschen der Schrift, lasst uns zu einer
ausgewogenen Erklärung kommen, die für euch und uns Gültigkeit hat,
dass wir nichts und niemanden außer Allah anbeten und Ihm keine
Teilhaber zuschreiben, und dass wir uns nicht aus unseren eigenen
Reihen Herren anstelle von Allah erwählen.'... (Sure 3:64 - Al-'Imran)
Dies ist unser Aufruf an die Juden, ein 'Volk der Schrift': Lasst
uns als Menschen, die an Gott glauben und Seine Gebote halten, auf
'den gemeinsamen Nenner des Glaubens' kommen. Lasst uns allesamt
Gott, unseren Herrn und Schöpfer lieben. Lasst uns nach Seinen Geboten
handeln. Lasst uns zu Gott beten, dass Er uns weiter auf dem Weg
der Rechtschaffenheit führen möge. Lasst uns einander und der ganzen
Welt Liebe, Barmherzigkeit und Frieden entgegenbringen, anstatt
Feindseligkeit, deren Lohn Blut und Tränen sind.
Das ist es, wo die Antwort zur palästinensichen Frage und anderen
Konflikten in der Welt liegt. Lasst uns zusammenkommen und eine
gemeinsame Lösung finden. Der Tod und das Leid ungezählter Menschen
erinnern uns täglich daran, wie dringend diese Aufgabe ist.
Wie kann das palästinensiche Problem gelöst werden?
Auf der Grundlage der obig erleuterten Prinzipien der Toleranz
und Mäßigung ist es möglich, das palästinensiche Problem zu lösen,
das im Lauf der vergangenen 50 Jahre so viel Blutvergießen im Mittleren
Osten verursacht hat. Wir sind der Ansicht, dass die Erstellung
des Friedens von den beiden folgenden Bedingungen abhängt:
1. Israel muss sich aus allen Gebieten, die es während des 1967-er
Kriegs besetzt hat, zurückziehen. Die Besetzung die seit jener
Zeit fortdauert muss zu einem Ende kommen. Das ist das Erfordernis
der internationalen Gesetzte, der Beschlüsse des Sicherheitsrats
der Vereinten Nationen und des grundsätzlichen Konzepts der Gerechtigkeit.
Das gesamte Westufer und der Gazastreifen müssen als, dem unabhängigen
Staat Palästinas zugehörige Gebiete anerkannt werden.
2. Jerusalem muss von einer, den Vereinten Nationen angegliederten,
internationalen Kommission verwaltet werden. Diese Kommission
muss aus einer gleichen Anzahl von muslimischen, christlichen und
jüdischen Mitgliedern zusammengesetzt sein. Diese 'Heilige Stadt'
ist für alle drei Religionen ein äußerst wichtiges religiöses Zentrum.
Aus diesem Grunde kann Jerusalem niemals die Hauptstadt einer staatspolitischen
Einheit sein. Alle Juden, Muslime und Christen mögen Jerusalem als
ihre eigene geistliche Hauptstadt betrachten, doch es wäre unrichtig,
es als politische Hauptstadt zu beanspruchen. Jerusalem muss de-militarisiert
und als eine Freistadt erklärt werden, in der Anhänger aller dreier
Religionen ihren Pflichten und Gebräuchen in Frieden nachgehen können.
Wenn diese Voraussetzungen geschaffen sind, werden die Israelis
und die Paleästinenser sich gegenseitig ihre Daseinsberechtigung
zugestehen, die palästinensischen Gebiete miteinander teilen, und
der Stadt Jerusalem, deren Schicksal bislang das Thema einer großen
Auseinandersetzung ist, einen Status einräumen, der für die Anhänger
der drei Religionen gleichermaßen akzeptabel ist.
Anmerkungen
1- The Torah Demands Justice for the Palestinians
[Die Torah verlangt Gerechtigkeit für die Palästinenser], Vortrag
von Rabbi Dovid Weiss des NKI am Time Square in Manhattan am Friday
Nachmittag, den 1. Juni 2001. http://www.netureikarta.org/speech1jun01.htm
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